MILITÄRDARSTELLER IM HISTORISCHEN WESTERNCLUB

 

altIm Haltistorischen Western Club Kulmbach-Bayreuth sind verschiedene Darstellungsmöglichkeiten gegeben. Ein weites Feld deckt das Militär ab, das in Amerika zu allen Zeiten eine Rolle gespielt hat. Dies beginnt mit der ersten Besiedlung, geht über den French & Indian War und den Unabhängigkeitskrieg, den Konflikt mit Mexiko, den Bürgerkrieg, die Indianerkriege und schließt auch die Einsätze von Teddy Roosevelts Rough Riders mit ein. Aus fast allen diesen Epochen finden wir Darsteller im Historischen Western Club. Mit großer Akribie und historischer Genauigkeit wird dabei recherchiert und die Ausrüstung dann möglichst detailgetreu reproduziert. Manche der Militärdarsteller sind auch in sogenannten Reenactment-Gruppen vertreten. Dies sind Vereine, die in größerem Rahmen meist auf militärischem Übungsgelände Szenen aus historischen Schlachten nachstellen.

Im Western Club spielt es dabei keine Rolle, auf welcher Seite man steht, man betreibt ein gemeinsames Hobby mit gemeinsamen Zielen und ohne Polemik. So sieht man schon mal einen Konföderierten neben einem Unionssoldaten im Saloon zusammen am Tresen bei einem Glas Bier stehen. Der Interessierte erhält Informationen über Bezugsquellen oder Anleitungen, wie er sich eine authentische Ausstattung selbst herstellen kann. Dazu werden auf unserer Ranch in unregelmäßigen Abständen Bastelwochenenden unter Zuhilfenahme von Literatur, Fotos und Anschauungsmaterial durchgeführt.

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Rekrutiert aus Forstleuten:



DIE ANSBACH BAYREUTHER JÄGER ODER WARUM DER NAME "ANSBACH-BAYREUTH" EINST AUCH IN AMERIKA BEKANNT WAR

 

altDie ersten Jägereinheiten rekrutierten sich im 18.Jh. in vielen Gebieten so auch im Markgrafentum Ansbach-Bayreuth vor allem aus Forstanwärtern, "Unterförstern" und Berufsjägern. Dies hatte einerseits den Vorteil der durch die Jagd bereits vorhandenen hohen Treffsicherheit, andererseits brachten die Forstleute in den Anfangsjahren meist ihre privaten , i.d.R. qualitativ hochwertigen Jägerbüchsen mit in die Truppe. Dies war von großer Wichtigkeit, da sie als erste Scharfschützeneinheiten eingesetzt werden sollten:
Ihr Ziel waren aus sicherer Entfernung, unerreichbar für die glattläufigen Infanteriemusketen einzelne Offiziere, Kanoniere und Reiter, die sie damals ansonsten völlig unüblich aus sicherer Deckung heraus oder gar in den Bäumen sitzend aufs Korn nahmen. Wenn dies auch selten wirklich schlachtentscheidend war, so konnte doch der geordnete Aufmarsch der feindlichen Truppen durch das gezielte Distanzfeuer gehörig durcheinander gebracht werden. Ob ihrer tödlichen Wirkung auf für damalige Verhältnisse ungewöhnlich weite Entfernungen (200 und mehr Meter war im 18. Jahrhundert eigentlich schon Artillerieschußweite) wurden sie von feindlicher Seite oft als "Meuchelmörder" beschimpft. Der Nachteil der uneinheitlichen Bewaffnung bestand freilich in vielen unterschiedlichen Kugelgrößen mit entsprechenden logistischen Problemen beim Nachschub. Die meisten Jäger gossen aber ohnehin ihre Kugeln mit ebenfalls mitgebrachten Kugelzangen am liebsten selbst (vgl. das Kugelgießen im "Freischütz").
Als Seitenwaffe wurde anstatt Säbel oder Bajonett ein (z.T. ziviler) Hirschfänger geführt. Dies war mehr ein Notbehelf, im Nahkampf war man den Bajonettflinten damit weit unterlegen. Erst im 19. Jahrhundert wurde der auf die Büchse aufpflanzbare Hirschfänger als Bajonettersatz eingeführt. Den grünen Rock brachten die "Jäger" anfangs auch gleich selbst mit, wodurch die forstgrüne Farbe bei den Jägerkompanien etabliert wurde. Die Uniform entspricht daher wohl teilweise auch den damals üblichen Forstuniformen. Nach einigen Jahren Militärdienst in der Jägereinheit hatten die Soldaten schließlich gute Aussichten auf eine der begehrten Stellen im Forstdienst bei Hofe, sodaß es zumindest in Friedenszeiten keine großen Nachwuchsschwierigkeiten gegeben haben dürfte.

Die "Jäger" waren sich ihrer Sonderstellung nur allzu bewußt:
Sie durften auf dem Kasernenhof nicht angeschrien werden und wurden von ihren Vorgesetzten nur mit "Messieurs" angeredet. Selbst ihre Jagdhunde brachten sie gelegentlich mit ins Feld, wie zeitgenössische Darstellungen zeigen. Auch sonst orientierten sie sich militärisch oft noch an der Jagd: So benutzten die Unterführer für ihre Kommandos wie auf der Treibjagd Trillerpfeife und Jagdhorn. Da der Bayreuther Markgraf "Christian Friedrich Carl Alexander" im Jahre 1777 u.a. auch eine Kompanie "Jäger" für den Unabhängigkeitskrieg nach Amerika verkaufte, bildeten neben den Infanteristen auch diese gelernten Forstleute gewissermaßen ein Bindeglied zwischen dem Markgrafentum Ansbach-Bayreuth und Amerika. Aus diesem Grunde ist in Amerika zumindest in Fachkreisen der Begriff "Ansbach-Bayreuther Jäger" auch heute noch wohlbekannt (in einem amerikanischen Waffenkatalog wird sogar ein Nachbau einer "Bayreuther Jägerbüchse" angeboten).
Nach dem Unabhängigkeitskrieg blieb ein großer Teil der fränkischen Einheiten in Amerika zurück, aber nicht gefallen im Felde ("nur" etwa 10%), sondern weil sie sich nach der Gefangenenschaft häufig in Amerika ansiedelten (vor allem in Maryland und Virginia). Da später auch häufig die Namen geändert bzw. "amerikanisiert" wurden, gestalten sich Nachforschungen über das weitere Schicksal dieser Franken in Amerika als recht schwierig. Für Historiker könnten sich hier noch interessante Forschungsfelder ergeben. Die letzte Jägereinheit in Bayreuth, das Jägerbataillon 102, (inzwischen allerdings längst mit einem anderen Einsatzschwerpunkt) wurde erst nach 1980 in "Panzergrenadierbataillon 102" umbenannt und erst vor wenigen Jahren endgültig aufgelöst.

Uniform und Ausrüstung eines Ansbach-Bayreuther Jägers um 1777:
Der relativ kurze Rock war aus grünem Tuch m it rotem Futter und roten Aufschlägen an Brust und Ärmeln gefertigt und trug unzählige Messingknöpfe. Vorne wurde er mit Haken verschlossen, die Knöpfe an der Brustseite waren reine Zierde. (Die "Jäger" wurden anfangs oft als Feiglinge angesehen, da sie sich in ihrer grünen Kleidung recht gut getarnt im Wald bewegten. Tarnung war dagegen beim damaligen Militär noch völlig unüblich; um dem "ehrlichen Feinde" doch wenigstens eine gewisse Chance zu geben, wurden zur "Abmilderung" der Tarnung die roten Aufschläge eingeführt!) Die Weste bestand aus gleichem Material,war hinten in der Weite schnürbar und hatte links seitlich eine Schlaufe für den Leibriemen, an dem links der Hirschfänger und vorne die Bauchtasche mit dem Patronenvorrat (meist 18 Papierpatronen) getragen wurde. Das "Zündkraut" für die Steinschloßwaffen wurde i.d.R. separat in einem kleinen Pulverhorn mitgeführt.

Kopfbedeckung:
Die Kopfbedeckung bestand aus einem abgewandelten schwarzen Dreispitz mit grüner Quaste (mit rotem Punkt) als Erkennungszeichen der Jägereinheiten Hose und Schuhwerk Als Beinbekleidung diente eine "Kniehose" aus Hirschleder, im Sommer wurden aber auch weiße Leinenhosen getragen. Dazu kamen geknöpfte Gamaschen aus schwarzem Tuch und flache Schuhe, wer es sich leisten konnte (v.a. Offiziere) trug auch die bei der Reiterei üblichen, über Knie hohen Lederstiefel mit Stulpe.

Ausrüstung:
Für alles, was man im Felde und im Lager täglich brauchte, diente ein Tornister aus Kalbsfell, der an einem weiß gekalkten Lederriemen über der rechten Schulter getragen wurde. Dazu kam noch ein Brotbeutel aus Segeltuch und eine Feldflasche aus Zinnblech. Die übliche Bewaffnung der Jägereinheiten war die typische "Deutsche Jägerbüchse", wie sie in Suhl und von vielen anderen Büchsenmachern hergestellt wurde. Sie war im Gegensatz zu den sonst militärisch üblichen Infanteriemusketen relativ kurz (105 bis 120 cm) und handlich (etwa 4 kg), das Kaliber für damalige Verhältnisse relativ klein (14 - 17 mm), der Lauf gezogen. Die Büchsen hatten fast durchgehend Stecherabzüge. Sie verschossen Bleirundkugeln, die, zur besseren Führung im (gezogenen) Lauf in ein mit Hirschtalg gefettetes "Schußpflaster" (Läppchen aus Leinen oder Leder) gewickelt, aufwendig mit Ladestock und Schlegel von vorne in den Lauf getrieben wurden. Die Ladungen waren mit 4 - 7 Gramm Schwarzpulver für damalige Verhältnisse nicht sehr hoch (Musketen 10 - 12 Gramm!); für die Vorstellung heutiger Schwarzpulverschützen waren die Waffen aber fast schon überladen. Erstaunlich, was eine damalige bayrische Treffervorschrift befahl: Auf 80 - 100 Schritt (60 - 75 m) mußte die Hand des Gegners getroffen werden, auf 150 Schritt (112 m) der Kopf, auf 200 Schritt (150 m) die Brust. Als Vergleich dazu muß man bedenken, daß mit den glattläufigen Infantriegewehren, die nur auf Massenfeuer ausgerichtet waren und (zwecks schnellerem Laden) "Rollkugeln" mit viel Spiel verschossen, ein Treffer schon auf eine 75 m entfernte Mannscheibe nur noch Zufall war! Aus der Trefferleistung der Jägerbüchsen dagegen darf man wohl schließen, daß auch auf der Jagd mit solchen Waffen zumindest bei größerem Wild schon damals Schußweiten von mindestens 100 Metern möglich waren!

Wir danken der "Historischen Darsteller-Gruppe München e.V." (HDGM), insbesondere Herrn A. Bräunling, für die Mithilfe bei der Beschaffung von Informationen zu diesem Thema. Für weitere Informationen aus dem Leserkreis wären wir sehr dankbar.

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